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Radix

Entwurzelt liegt saftlos

die Rübe auf dem Feld,

dem Urgrund entrissen,

der den Strom des Lebens

ihr vormals gegeben.

 

Zurück?

 

Zurück ist nicht mehr.

Nicht verjüngend ist die Rückkehr.

Als Speise liegt die Rübe zum Verzehr.

 

Wenige nur,

die dem Strom des Lebens treu geblieben,

gepflegt zur Samenbildung,

die in sich trägt den Keim

zu neuem Werden.

 

Mensch des Westens,

des Südens und des Ostens.

Deine Wurzel, tief gegründet

war sie einst im Muttergrund.

Nun liegst du, zerstreut,

von Angst und Ohnmacht halb gelähmt.

 

Besinne dich.

Da sind Einzelne,

die nicht vergessen haben

und gepflegt den Lebensstrom

und Keim um Keim den Samen weitergeben,

dass neu verbinde sich dem Grund,

das Geschlecht der Menschen

und erspriesse und entfalte jenen Baum,

der dem Zeitenstrom entrissen,

blüht und fruchtet immerdar;

nicht fragend nach dem Stoff, der Art,

nur nach dem Sein,

das der Erfüllung harrt.

 

 

All Ein sein

Das Schöne am Augenblick ist
dass ich im Moment
die Welt kann schauen
und zugleich
die Welt mich schaut

Einsamkeit,
wie falsch klingst du
wenn ich dich arm empfinde

Allein,
wie unerhört gehst du vorbei
wenn ich hoffnungslos dich wähne

Ist doch jedes Wort, das Ich spricht,
in dem Nadelöhr,
indem ich und Welt
in einem Ort sich finden
und ein-sam
und all-eins und selig
sind und werden

Der Ruf

ER hat mir gerufen

ich hab’s nicht gehört

weil dieses Kind, das da schrie

mich gestört

Ich sagte: „Sei still!“

Da ist ES verstummt

Mir hat danach

der Schädel gebrummt

Ich hab darauf etwas

zu suchen begonnen

und nichts gefunden,
nichts gewonnen

Ich hab nichts gesehen

ich war so wie blind

doch nun seh ich’s

Es war immer

bei mir

– ES   WAR –

durch das Kind.

 

 

Frühling

Der Frühling lässt mit seinem Spriessen

die Kreaturen freundlich grüssen.

Doch manchmal wird ein Winter alt

dann bleibt es bis an Ostern kalt.

 

Wie nun?

 

Ist Ostern nur ein Scheingebild,

lässt uns im Stich, ist roh und wild?

Oh nein, ob aller Kälte starren

ob all dem eisigen Verharren

das Licht wird hell

schon früh am Morgen

und mit ihm schwinden

Wintersorgen.

 

 

Advent

Höre dazu Improvisation 20

Wo   kommt sie her
die scheue Ungeduld in mir
die wieder mich umtreibt
ohne mein Zutun
jedes Jahr
Weihnachten entgegen
mich unruhig werden lässt?

Das Dunkel des Dezemberhimmels verdoppelnd
erblindet mich mein eigenes Ziel
das fern vom Hier und Jetzt
mich entfernt von dem
was in mir steckt

das mich ruft die ganze Zeit
und ichs nicht hör
weil es so nah‘

und das seit meinem Anfang
mich mahnt, zu werden
sich danach sehnt
geboren zu werden
Erlösung bringend

dass Weihnachten
endlich werde

Was ist denn das besondere am Leben?

Was ist denn das besondere am Leben?

Es liegt in ihm ein Schweben
das zwischen Erdenfestigkeit
und Himmelsgeistunendlichkeit
den Werdeweg
geschichtsvoll in die Welt schreibt
lesbar für  Erden- und für Himmelswesen
Zentrum bildet
für unsere Gemüter
für unser Fühlen und Wollen
Es ist Quellpunkt
gedankenhellen Bewusstseins
Schöpfung
im Hier und Dort
Weihnachtswunder
wenn es hier verschwindet
und dort erscheint
wenn es dort verschwindet
und hier erscheint